Inhalt dieses Artikels
1Warum der Schlosstyp entscheidend ist
Das Türschloss ist das Herzstück Ihrer Türsicherheit. Doch Schloss ist nicht gleich Schloss: In deutschen Gebäuden kommen verschiedene Schlosstypen zum Einsatz, die sich in Funktionsweise, Sicherheitsniveau und Einsatzzweck deutlich unterscheiden. Wer das richtige Schloss für seine Tür wählt, erhöht nicht nur den Einbruchschutz, sondern spart langfristig auch Kosten für unnötige Nachrüstungen. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen vollständigen Überblick.
2Buntbartschloss – der Klassiker für Innentüren
Das Buntbartschloss ist der einfachste und älteste Schlosstyp im Hausgebrauch. Es wird mit einem flachen Schlüssel (dem sogenannten Buntbartschlüssel) bedient und bietet nur minimale Sicherheit. Der Schlüssel muss lediglich am sogenannten Eingerichte im Schlossinneren vorbeigeführt werden – eine echte Zuhaltung fehlt.
- Sicherheitsniveau: Sehr gering – mit einfachstem Werkzeug zu öffnen
- Einsatzbereich: Zimmertüren, Kellertüren, Dachbodentüren
- Vorteil: Günstig, einfacher Einbau, ausreichend für Innentüren ohne Sicherheitsanforderung
- Nachteil: Bietet keinen Einbruchschutz – nicht für Außentüren geeignet
- Kosten: 15€ – 40€ (Schloss), Schlüssel ab 3€
3Profilzylinder-Schloss – der Standard für Eingangstüren
Der Profilzylinder (nach DIN 18252 genormt) ist heute der verbreitetste Schlosstyp für Wohnungs- und Hauseingangstüren. Er wird in ein Einsteckschloss eingesetzt und arbeitet mit Stiftzuhaltungen. Die Sicherheit hängt wesentlich von der Qualität des Zylinders ab – von einfachen Standardzylindern bis zu Hochsicherheitszylindern mit Aufbohr- und Ziehschutz.
- Sicherheitsniveau: Mittel bis sehr hoch (je nach Zylinder-Klasse)
- Einsatzbereich: Wohnungstüren, Haustüren, Bürotüren
- Vorteil: Standardisiert, leicht austauschbar, viele Sicherheitsstufen verfügbar
- Nachteil: Einfache Zylinder bieten nur begrenzten Schutz
- Kosten: 20€ (Basiszylinder) bis 200€+ (Hochsicherheitszylinder)
4Kastenschloss und Zusatzschloss – Nachrüstung ohne Fräsen
Kastenschlösser werden auf die Innenseite der Tür aufgeschraubt und benötigen keine Ausfräsung im Türblatt. Sie eignen sich hervorragend als Zusatzsicherung für Wohnungstüren, die nur ein einfaches Einsteckschloss haben. Besonders beliebt ist das Kastenschloss mit Sperrbügel – es erlaubt das Öffnen der Tür einen Spalt breit, ohne sie ganz freizugeben.
- Sicherheitsniveau: Mittel bis hoch (als Ergänzung zum Hauptschloss)
- Einsatzbereich: Zusatzsicherung für Wohnungstüren, Altbauwohnungen
- Vorteil: Nachrüstung ohne Fräsen, mit Sperrbügel auch Türspalt-Funktion
- Nachteil: Optisch sichtbar auf der Türinnenseite
- Kosten: 60€ – 180€ (inkl. Montage)
5Mehrfachverriegelung – maximale Sicherheit
Die Mehrfachverriegelung ist das Sicherheitsschloss schlechthin. Beim Abschließen greifen mehrere Riegel und Bolzen an verschiedenen Punkten der Tür in den Rahmen ein – typischerweise an drei bis fünf Stellen. Das macht ein Aufhebeln extrem schwierig. Mehrfachverriegelungen werden vor allem in Haustüren, Sicherheitstüren und Mietwohnungen mit erhöhtem Schutzbedarf eingesetzt.
- Sicherheitsniveau: Sehr hoch – empfohlen von Polizei und Versicherungen
- Einsatzbereich: Haustüren, Wohnungstüren mit erhöhtem Schutzbedarf
- Vorteil: Mehrere Verriegelungspunkte, extrem schwer aufzuhebeln
- Nachteil: Hohe Anschaffungskosten, Einbau durch Fachbetrieb empfohlen
- Kosten: 300€ – 800€ (inkl. Montage)
6Welches Schloss für welchen Einsatzzweck?
Die richtige Wahl hängt vom Einsatzort und Ihrem Sicherheitsbedürfnis ab. Hier eine klare Empfehlung für die gängigsten Anwendungsfälle:
- Zimmertüren innen: Buntbartschloss (ausreichend, kostengünstig)
- Wohnungstür (Miete): Profilzylinder mit Sicherungskarte, ggf. Kastenschloss als Zusatz
- Haustür (Eigentum): Mehrfachverriegelung mit Sicherheitszylinder
- Keller/Nebenräume: Profilzylinder Standard oder Buntbartschloss
- Nachrüstung ohne großen Aufwand: Kastenschloss mit Sperrbügel
Häufige Fragen
Welches Türschloss empfiehlt die Polizei?
Die Polizei empfiehlt für Wohnungs- und Hauseingangstüren mindestens einen Sicherheitszylinder der VdS-Klasse B mit Schutzbeschlag. Für Haustüren wird eine Mehrfachverriegelung empfohlen. Beratung erhalten Sie bei der kostenlosen polizeilichen Kriminalprävention.
Kann ich mein Türschloss selbst wechseln?
Den Profilzylinder eines Einsteckschlosses können Sie mit etwas handwerklichem Geschick selbst tauschen – es genügt eine Schraube im Stulp. Beim Wechsel des gesamten Einsteckschlosses oder einer Mehrfachverriegelung ist ein Fachbetrieb empfehlenswert.
Was ist der Unterschied zwischen Einsteckschloss und Kastenschloss?
Ein Einsteckschloss wird in eine Ausfräsung im Türblatt eingelassen und ist von außen nicht sichtbar. Ein Kastenschloss wird auf die Türinnenseite aufgeschraubt und benötigt keine Fräsung – ideal für die Nachrüstung.
Wie oft sollte man das Türschloss wechseln?
Ein Wechsel empfiehlt sich bei Schlüsselverlust, nach einem Einbruch oder Einbruchversuch, beim Einzug in eine neue Wohnung und wenn der Zylinder schwergängig wird. Ohne besonderen Anlass hält ein hochwertiger Zylinder 15–20 Jahre.